Trojaner-News
Neue Viren-Top 20 Für
März
(10.04.2006) Kaspersky Lab präsentierte unlängst zwei Ratings zur
Schadprogramm-Aktivität im März. Nach den erheblichen Veränderungen der Top 20
im Februar, als gleich fünf Würmer ins Rating zurück-kehrten und ein neuer
hinzukam, war der März 2006 ein vergleichsweise ruhiger Monat. Die
Kaspersky-Lab-Analytiker registrierten keine nennenswerten Epidemien oder
Vorkommnisse, und Bagle.fj, der im Februar von 0 auf 6 zurückkehrte, verließ die
Statistik im März erneut.
Das führende Dreigespann aber veränderte sich. Zwar hält Mytob.c weiterhin den
ersten Platz, doch auf Platz 2 erschien NetSky.t, was die bislang höchste
Platzierung in seiner Geschichte ist. Im Februar kletterte er um 15 Positionen
und nahm vor einem Monat noch Platz 4 ein - das war der absolute Aufstiegsrekord
der letzten Monate.
Nach dieser ohrenbetäubenden Verbesserung warteten die Analytiker von Kaspersky
gespannt auf die März-Ergebnisse, um die Antwort auf die Frage zu erhalten, ob
es sich hierbei um eine einmalige Sternstunde oder doch um eine längerfristige
Tendenz handelt. Der zweite Platz beweist letzteres. Versucht man zu
prognostizieren, wie sich die NetSky.t-Epidemie weiterhin entwickelt, kommt man
jedoch zum Schluss, dass er wahrscheinlich an den Grenzen seiner
Verbreitungs-kapazität angelangt ist und nun allmählich absteigen wird.
Zafi.d, im Februar-Rating noch auf Platz 3, stürzte um neun Positionen nach
unten und belegt nun die 12. Seinen vorherigen Platz nimmt LovGate.w ein, der
zuvor auf Platz 2 war. Die gesamte Zafi-Familie, die mit der Modifikation .b
schon über ein Jahr lang im Rating vertreten ist, ist logisch und statistisch
gesehen eine recht unerklärliche Sippe. Entweder sie okkupieren die oberen
Rating-Plätze, oder aber sie sind kurz davor, aus dem Rating zu verschwinden.
Innerhalb von nur zwei Monaten veränderten sich ihre Kennziffern ziemlich stark
- so führte der zurückgefallene Zafi.d im Januar die Top 20 sogar noch an! Dafür
jedoch kletterte Zafi.b sechs Plätze nach oben und belegt nun den 6. Platz.
Insgesamt befanden sich acht der zehn Schadprogramme im oberen Bereich des
Ratings in einem erhöhten Aktivitätszustand. Außer Zafi.b kehrte LovGate.ae ,
der erst vor einem Monat aus dem Nichts in die Top 20 zurückkehrte, unter die
ersten zehn zurück.
Die LovGate-Vertreter sind weiterhin die rätselhaftesten E-Mail-Würmer. So waren
sie niemals Ursache großer Epidemien und sind auch in den Medien kaum vertreten.
Trotzdem hält die März-Top-20 gleich vier Repräsentanten dieser Familie bereit -
zwei davon sind Neueinsteiger. Die Familie LovGate ist damit durch den
Alteingesessenen LovGate.w vertreten, der schon lange Zeit zur Führungsspitze
gehört, durch den in der Top 20 mal erscheinenden und mal verschwindenden
LovGate.ae sowie die Neulinge LovGate.ad und LovGate.ah.
Interessant ist, dass die LovGate-Familie asiatischer Herkunft ist und sich
besonders in China uns Südkorea stark verbreitet hat. Für die europäischen und
amerikanischen Anwender jedoch stellen sie keine große Gefahr dar.
Nun zur Wurmfamilie, der es gelang, die Hälfte der Top 20 zu belegen - die
Mytobs. Im Januar kletterte Mytob.a sieben Plätze nach oben, im Februar verlor
er einen und im März festigte er seinen 11. Platz. Mytob.x wandert mal nach oben
mal nach unten, im Januar legte er fünf Plätze zu, im Februar verlor er fünf, im
März konnte er erneut zwei Plätze gutmachen. Diesen Wurm kann man nicht gerade
als stabil bezeichnen und Kaspersky Lab geht davon aus, dass er die Top 20 schon
im April verlassen wird.
Im März ist darüber hinaus aufgefallen, dass die bereits im Februar beobachtete
"Rückkehrer-Tendenz" anhält. Dazu gehören auch Mytob.w und .h.
Die Kategorie "Sonstige Schadprogramme" verbucht mit 13,03 Prozent gemessen an
der Gesamt-zahl der abgefangenen Schadprogramme erneut einen beträchtlichen
Prozentsatz. Dies zeugt von einer recht hohen Anzahl sonstiger Würmer und
Trojaner, die anderen Familien zuzuordnen sind.
Top 20 Online - März 2006
Ein erster Blick auf die Daten der März-Statistik unseres Online-Scanners lässt
erkennen, dass sich die Zusammensetzung der Top 20 Online von Monat zu Monat
stark verändert. Im Februar verzeichneten wir zwölf neue Schadprogramme, im März
ebenfalls. "Richtige" Viren, wie sie in der Januar-Statistik vorkamen, blieben
bislang Einzelfälle.
Vor diesem Hintergrund ist der Führungswechsel kein außergewöhnliches Ereignis.
Jedoch zeigen die neuen Spitzenreiter ein solch hohes Aufkommen, dass sie ihre
Vorgänger auf Anhieb in den Schatten stellen. Der Trojaner LdPinch.air, der
Passwörter ausspioniert, war Mitte März Verur-sacher einer spürbaren Epidemie im
Runet (russisches Web). Dabei erfolgte der Massen-Versand des Trojaners in
mehreren Etappen, im Laufe derer außerdem ein Trojan-Downloader verschickt
wurde, der LdPinch.air auf das infizierte System herunterlädt. Eben dieser
Trojan-Downloader.Win32.Delf.ajd belegt mit sehr hoher Verbreitung (über zehn
Prozent) Platz 2 in der Statistik. Zweifelsohne ist das Auftauchen von LdPinch
das bedeutendste Ereignis im März.
Ein weiterer Trojaner, Banker.ark, hält sich bereits den zweiten Monat. Im
Unterschied zu LdPinch, der Passwörter ausspioniert, zieht es diesen Spion zu
Bankkonten von Online-Banking-Nutzern.
Die Würmer aber gaben ihre Spitzenpositionen ab. Im Januar führte der Wurm
Feebs.gen noch, im März jedoch rutscht er auf Platz 18 ab. Der
Februar-Spitzenreiter Bagle.fj verlässt das Rating und gleichzeitig auch die
klassischen Top 20 für März.
Im Gegensatz zu den eben genannten Würmern glänzt der wenig bekannte Wukill
durch Stabilität. Er bewegt sich bereits den dritten Monat infolge im Bereich
der Plätze 7 bis10. Was ist die Ursache für dieses sichere Auftreten? Es fehlen
doch die geringsten Anzeichen einer Epidemie durch diesen Wurm. Wir wissen es
noch nicht.
Wie bereits vor einem Monat bilden den Hauptteil des Ratings Trojaner, und zwar
die am meisten verbreiteten und gefährlichsten Klassen Trojan-Spy und
Trojan-Downloader. Neben Banker.ark nehmen Banker.anv (Platz 6) und Bancos.ha
(Platz 7) an der Jagd nach Bankkonten teil. Auch Trojaner LdPinch ist auf Platz
13 durch die Modifikation .ais aus seiner sehr umfangreichen Familie (mehrere
Hunderte Modifikationen sind bekannt) vertreten.
Wichtigster Infektionsweg dieser Trojaner sind nach wie vor Trojan-Downloader.
Sieben Vertreter dieser Art in den Top 20 Online - das ist eine sehr hohe
Kennziffer, die den derzeitigen Entwick-lungsstand dieser Gefahr widerspiegelt.
Im Februar waren es nur vier, was die steigende Tendenz bestätigt.
Der Wurm Nyxem.e, der im Januar dieses Jahres großes Aufsehen erregte, fiel aus
den Top 20 Online heraus und wird wohl niemals wieder in einer Statistik
erscheinen.
Der klassische Dateivirus Parite.b hingegen konnte seine Kennziffern erheblich
verbessern. Im Februar positionierte er sich noch bescheiden auf dem letzten
Platz, im März jedoch findet er sich bereits auf dem 12. wieder und kletterte
damit satte acht Positionen nach oben.
Interesse rief das Auftauchen von CodeBaseExec, einem alten Exploit einer
Windows-Sicher-heitslücke, im Rating hervor. Ein solches wurde vor einigen
Jahren von mehreren E-Mail-Würmern benutzt. Anscheinend erfolgt derzeit eine
gewisse Reinkarnation alter Technologien, obwohl die Mehrheit der Anwender wohl
schon längst über einen Schutz vor dieser Sicherheitslücke verfügen.
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